Ich bin der Wind, der über die See bläst;
ich bin das Murmeln der Nebelschwaden;
ich bin der Strahl der Sonne;
ich bin das Können des Handwerkers;
ich bin die gelehrte Wissenschaft;
ich bin die kampfbereite Speerspitze.
Wer sagt die Zeiten des Mondes an, wenn nicht ich?
Wer zeigt den Ruheort der Sonne an, wenn nicht ich?
Wer ist der Gott, der Entzücken hervorruft -
das Entzücken der Schlacht wie die Winde des Wandels?
Aus dem Lied des Druiden Amairgen
Was ich aus meinem Wörterbrunnen schöpfe, fügt sich selten in feste Formen und gewohnte Kategorien. Mag sein, dass mich Malerei inspiriert, ein Krafttier sich meine Stimme leihen möchte - oder mir seine, eine Pflanze mir etwas zuflüstert, dass der Wechsel der Jahreszeiten in mir klingt oder eine tiefe Liebe zum Göttlichen sich Ausdruck sucht. Was dann entsteht, nenne ich einfach Lieder zum Leben.
Die folgenden Lieder wurden durch Bilder von Frank Föckler und Heike Gohres inspiriert. Weil sie aber auch ohne die Malerei Bestand haben, zeige ich sie hier solo. Raum gehört zu einer Performance, die ich anlässlich einer Vernissage in eben dem Raum gezeigt habe, von dem ich spreche.
Gesichter
Lesen will ich in deinem Gesicht
und schauen und schauen und schaun
gesichtspunkteweis aus meinen Gedankenbahnen treten
dich in deinen Linien spüren
aus deinen Falten Leben schöpfen
austrinken den Kelch deines Leids
überströmen im Glanz deines Glücks
aus Unentdecktem deine Schönheit bergen
aus deinen Tiefen das Strahlen führn -
momentelang entfliehn meiner Zeit.
chairos
zwischen verweilen und fliehn
einen schleierhauch erhaschen
von der zeit ohne zeit
ahnen was bleibt
seligkeit?
New York - du und ich
Hab von Hochhäusern geträumt
von dir und mir
zwei Häuserschluchten warn wir
und zwischen uns das Leben.
Raum
Verschlungen hast du mich
Als ich dir ausgeliefert war
Der Sonne mich geraubt
Und deinem Dunkel einverleibt
Deine Haut so lange meiner aufgezwungen
Bis sie wund wie deine war
Was dir geschehen so lange mir ins Ohr geraunt
Bis ich davon ganz überwuchert war
Und als sich andrer halber
Endlich deine Wand auftat
Da hatt ich lang vergessen
Wie man dir entkommt
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Zwei Krafttiere und ein Baumpilz haben mir erzählt:
Sibylla, meine Spinne
Zwischen Wildrosenblüten spann ich mein Netz,
mit dem, was in mir ist, füll ich den Raum.
Faden um Faden spinn Ring ich um Ring,
Speiche um Speiche bau ich mein Rad.
In Kreisen zieh ich hin zur Mitte.
Den Morgentau fang ich,
der Sonne zum Gruß.
Das Mondlicht verweb ich,
das Rauschen vom Fluss.
Das Singen der Vögel,
der Eule Schrei,
das Flüstern der Bäume
flecht ich hinein.
Nebel und Licht sind in meinem Netz,
Winkel und Bogen, Schrift und Gesetz.
Zwischen Erdenrund und Himmelszelt
spinn ich den Lebensfaden der Welt.
Zwischen Wildrosenblüten spann ich mein Netz
Mit dem, was in mir ist, füll ich den Raum.
Die Fledermaus
Ich bin die Hüterin des Zwischenreichs,
den Raum bewohn ich zwischen Nichtmehr und Nochnicht.
Ich bin die Jägerin der Schattenzeit,
füg Wohl und Weh, bin dunkle Fee des Übergangs:
Mein Schrei bahnt still den Weg durch deine Dämmerung,
sieht scharf und klar, was schemenhaft dich schreckt.
Solang du tätig eilst,
verweil ich kaum dir merklich
kopfüber fest in deinem Weltgebälk.
Wenn Stille dich bezwingt,
trau dich auf meine Schwingen:
Mir folgend find im Ungefähren
mit andern Sinnen Sicherheit.
Baumpilz
Wenn du sprechen könntest,
was würdest du erzählen?
Die nicht mit den Ohren hören,
denen sprichst Du
von Zunder und Feuer
von Wärme und Licht
vom heiligen Rauch
vom zweiten Gesicht
Von Krankheit und Heilung
von Tod und Vergehn
vom Neu-Entstehn
Vom Leben, das ausströmt, sich niederlässt,
seine Kreise zieht und unbändig wächst,
so Manches loslässt und sich Vieles nimmt,
bald an Farbe verliert und an Schillern gewinnt
Die nicht mit den Augen sehen,
denen zeigst du,
dass du schöner wirst
mit jedem Jahr.
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Und zum Herbstbeginn hör ich, fühl ich es singen:
Mabon
Die Liebenden feiern ihr Abschiedsfest:
Komm, koste vom Wein ihrer Zärtlichkeit.
Erde legt an ihr buntestes Kleid,
Frucht über Frucht reift gern ihr zum Schmuck.
Sonne erstrahlt im mildesten Glanz,
schimmernde Lüfte umflor’n sie sanft.
Wolken senken sich sachte herab
Erde zu behüten.
Dunst sendet Schleier aus Wiese und Wald
Sonne still zu grüßen.
Andächtig verstummen die Grillen.
Regen schlägt seine Blättertrommel.
Wind heult einen starken Gesang.
Sonne tritt ihre Nachtfahrt an –
schenkt leisen Zauber mit letztem Blick
legt an ihr Nebelkleid
und geht.
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Aus der Herzensverbindung zu Shirdi Sai Baba:
From this deep silence
From this deep silence let me praise you
From the place with no words let me sing to you
From the world you showed me let me say I LOVE YOU
Let these new tears wash your holy feet
Let this new understanding be filled with your wisdom
Let these new eyes see God in everyone
Let them be like mirrors so that whoever looks into them
sees their own divine beauty
Let these new ears hear your voice in every sound
and always remember the sweet call of your bells
Let this new voice be nothing but a reverberation of yours
Let these new feet be gentle with the dust they tread
because it is holy ground
Let these new hands feel you in everything they touch
and pass your blessings on
Let this new heart be a fountain of love for you;
let its waters that spring from nowhere but you,
eternal source of love and bliss,
be forever blessed because you come to drink.
And let whoever takes from them see nothing but a reflection of you.
From this deep silence let me praise you
From the place with no words let me sing to you
From this new world let me chant your name
OM SAI
The waves
If ever i tried to understand
how much You love Your Souls
MY SAI
i’d be like someone
looking over the ocean
trying to count the waves.
But the moment i surrender
to Your Love, MY SAI
i become a drop of water
in Your ocean
dancing with the waves.
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Mit meinem Mann Konrad Lenz (Fotos) gestalte ich einen Kalender. Daraus zwei Auszüge:

Aus Tränen lila Kräfte schöpfen,
mein Pelzchen zu Stachelhaaren legen,
dem Nordwind den Rücken zudrehn
und dabei heimlich Sonne sammeln.

Wer sagt, dass Engel Flügel haben?
Und wer meint, Duft sei körperlos?
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