
Leseprobe
aus
Amnart
Klanprachar
Thaworn Boonyawan
Die Wurzeln Asiens
Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.
Glaube nichts, weil alle es glauben.
Glaube nichts, weil es geschrieben steht.
Glaube nichts, weil es als heilig gilt.
Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.
Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast.
Buddha
Das Herz bilden
Das Einüben des guten Willens (Metta) erweitert das Streben nach Einsicht um eine weitere Dimension. Meditation lehrt an sich schon Geduld und Toleranz oder zeigt zumindest doch die Wichtigkeit dieser Eigenschaften. Mit der Zeit möchten Sie bestimmt mit sich selbst und anderen freundlicher und liebevoller umgehen. In der Meditation können Sie den guten Willen sehr realistisch üben.
Richten Sie die Aufmerksamkeit auf den Atem, den Sie nun als Mittel zur Verbreitung von Güte und gutem Willen verwenden. Beginnen Sie mit sich selbst, mit Ihrem Körper. Visualisieren Sie den Atem als Licht oder stellen Sie sich Ihr Gewahrsein als warmen Strahl vor, den Sie nach und nach über Ihren Körper fließen lassen. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit sacht auf die Mitte der Brust, etwa in der Herzregion. Lenken Sie beim Einatmen geduldige Güte auf sich selbst, vielleicht mit dem Gedanken „Möge es mir gut gehen“ oder „Frieden“. Lassen Sie beim Ausatmen die Stimmung dieses Gedankens oder das Gewahrsein des Lichts vom Herzen aus durch den ganzen Körper, den Geist und über sich selbst hinaus strömen. „Möge es allen Menschen gut gehen.“
Wenn Sie sich in einem negativen Zustand befinden, atmen Sie Toleranz und Vergebung ein. Hilfreich ist es, wenn Sie dabei Ihren Atem in einer heilenden Farbe visualisieren. Lassen Sie beim Ausatmen los – Belastungen, Sorgen, Negativität – und leiten Sie das Gefühl der Befreiung wie zuvor durch Ihren Körper, Ihren Geist und über sich selbst hinaus.
Diese Übung kann Bestandteil oder einziger Inhalt Ihrer Meditationspraxis sein – entscheiden Sie selbst, was für Sie richtig ist. Die beruhigende Wirkung einer Meditation in gütiger Haltung ist ideal zur Einleitung einer Sitzung, aber es wird zweifellos Zeiten geben, in denen dieses Vorgehen über einen längeren Zeitraum beibehalten wird, damit es tief ins Herz dringen kann.
Beginnen Sie immer mit den Dingen, die Ihnen bewusst sind, selbst wenn sie Ihnen trivial oder verwirrend erscheinen. Lassen Sie Ihren Geist gelassen darauf ruhen – sei es Langeweile, ein schmerzendes Knie oder die Frustration, dass Sie sich gerade gar nicht sonderlich gütig fühlen. Lassen Sie alles zu und kommen Sie ins Reine damit. Erkennen Sie Neigungen zu Faulheit, Zweifel oder Schuldgefühlen und schieben Sie sie sacht beiseite.
Innere Ruhe kann sich zu einer wahrhaft nährenden Güte Ihnen selbst gegenüber entwickeln, wenn Sie zuallererst das, was da ist und was Sie nicht mögen, ganz anzunehmen lernen. Halten Sie die Aufmerksamkeit und öffnen Sie Ihr Herz allem, was Sie erleben. Das bedeutet nicht, dass negative Regungen gut geheißen werden sollen, es gesteht ihnen aber einen Raum zu, wo sie kommen und gehen können.
Die Entwicklung des guten Willens gegenüber der Außenwelt vollzieht sich ganz ähnlich. Eine einfache Methode, Güte zu verbreiten, ist das schrittweise Vorgehen. Beginnen Sie mit sich selbst und verbinden Sie das Gefühl liebenvollen Annehmens mit dem Atem. „Möge es mir gut gehen.“ Denken Sie dann an Menschen, die Sie lieben und achten, und wünschen Sie einem nach dem anderen Gutes. Gehen Sie danach über zu guten Bekannten, schließlich zu Menschen, denen Sie gleichgültig gegenüber stehen. „Möge es Ihnen gut gehen.“ Rufen Sie sich zum Schluss die Menschen ins Gedächtnis, vor denen Sie Angst haben oder die Sie nicht mögen und senden Sie auch ihnen gute Wünsche.
In einer Geste des Mitgefühls kann diese Meditation erweitert werden auf alle Menschen dieser Welt in den verschiedensten Lebensumständen. Halten Sie sich immer vor Augen: Sie müssen einen Menschen nicht lieben, um ihm Gutes zu wünschen!
Güte und Mitgefühl kommen beide aus der Quelle des guten Willens und erweitern die Perspektive des Geistes über das ausschließlich Persönliche hinaus. Wenn Sie nicht immer darum kämpfen, dass alles so läuft wie Sie es wollen, wenn Sie andere und sich selbst eher so annehmen können, wie sie sind, entsteht Mitgefühl ganz von selbst. Mitgefühl ist das natürliche Empfinden des Herzens.
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