Leseprobe
aus
Joyce
Martin
Erfolgreiches Personalmanagement
nach dem Modell der vielfachen
Intelligenzen
Vielfache Intelligenzen
Der Gärtner
kann mit sicherer Hand passende Pflanzen auswählen, weil ihre Etiketten nicht
nur bruchstückhafte Information liefern, sondern zahlreiche Angaben enthalten.
Sie würden doch auch keine Pflanze kaufen wollen, auf deren Etikett lediglich
vermerkt ist, dass sie weiß blüht, von der sich dann aber herausstellt, dass
sie den Lehmboden in Ihrem Garten nicht verträgt, durch ihr abgeworfenesLaub sämtliche
Abflüsse verstopft, mit ihren Wurzeln die Leitungen zerstört und obendrein Blüten
hervorbringt, auf die Sie stark allergisch reagieren. Bei der Beurteilung von
Menschen tappen wir aber oft in genau diese Falle: Wir verlassen uns auf eine
einzige Information oder ein Etikett, etwa den IQ oder den EQ oder ein Persönlichkeitsmerkmal
wie Intro- oder Extravertiertheit. Statt dieser einäugigen Betrachtung der
menschlichen Fähigkeiten, eröffnet uns Howard Gardner eine multidimensionale
Sicht – die Sicht der vielfachen oder multiplen Intelligenzen.
Werfen wir einmal einen Blick
darauf, wie sich Ihre eigenen Fähigkeiten als Managerin oder Manager aus Sicht
der vielfachen Intelligenzen darstellen lassen. Herkömmliche
Beurteilungskriterien fragen entweder nach besonderen Kenntnissen wie etwa
technischem Know-how und Erfahrung oder nach der Fähigkeit, mit Mitarbeitern zu
kommunizieren, sie zu motivieren und zu mobilisieren. Das führt dazu, dass sich
oft geradezu eine Kluft auftut zwischen jenen, die wegen ihrer technischen Fähigkeiten
oder ihres Fachwissens eingestellt wurden und jenen, die man aufgrund ihrer
menschlichen Begabungen schätzt. Demgegenüber enthielte ein modernes
Anforderungsprofil an gute Manager sämtliche im Folgenden aufgelisteten
Intelligenzen einschließlich der entsprechenden Fähigkeiten:
Linguistische Intelligenz
ist erforderlich zum Lesen und Verstehen von Fachliteratur, zur Gesprächsführung,
zum aktiven Zuhören sowie zum Verfassen von Berichten und Memos.
Mathematisch-technisch-logisch-wissenschaftliche
Intelligenz ist nicht nur notwendig in Gestalt
technischer Spezialkenntnisse oder Berufserfahrung, sondern als die allgemeine Fähigkeit,
mit der Mathematik des Firmenetats umzugehen, Projekte zu organisieren und Abläufe
korrekt zu planen, Entscheidungen mit Logik und Objektivität zu fällen und
quantitatives Feedback auf Verfahren und Produkte richtig interpretieren und
umsetzen zu können.
Visuelle Intelligenz
umfasst die Verwendung von Mustern, Farben, Nuancierungen, Bewegungen, Tiefe, Ästhetik
etc. nicht nur bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, sondern
bei einer ganze Reihe konkreter Anwendungen in Aufbau und Erhalt eines
produktiven Arbeitsplatzes oder im Marketing von Waren und Dienstleistungen.
Auditive Intelligenz
verlangt vom Manager ein Gespür für Töne, Lautstärke, Klangfolgen etc.,
nicht nur im Zusammenhang mit Menschen, sondern auch mit Maschinen oder der
Arbeitsumgebung. Es gibt Manager, die behaupten, sie könnten mit verbundenen
Augen in ein Büro oder eine Fabrikhalle kommen und exakt sagen wie es dort um
die Produktivität am Arbeitsplatz bestellt ist.
Kinästhetisch-motorische Intelligenz
bedeutet nicht bloß körperliche Kraft oder gar tänzerisches Geschick, gute
Manager setzen viele motorische Fähigkeiten ein, über die sie sich vielleicht
bisher kaum Gedanken gemacht haben. Dazu gehört, dass sie lernen, mit einer
Tastatur umzugehen, einen komplizierten mechanischen Ablauf darstellen oder mit
technischen oder wissenschaftlichen Instrumenten umgehen können. Inzwischen
gibt es einen ganzen Wirtschaftszweig, der Führungskräften, ihren Produkten
und Dienstleistungen zu einer glaubwürdigeren Präsentation verhilft.
Interpersonelle Intelligenz
ist laut Daniel Goleman das A und O einer guten Führungskraft – die Fähigkeit,
die eigenen Bedürfnisse und die der anderen zu erkennen und zu verstehen und
angemessen darauf zu reagieren.
Intrapersonelle Intelligenz
oder die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis – die Einsicht in eigene Gefühle,
Ziele, Moralvorstellungen etc. – ist für Manager eine Grundvoraussetzung für
psychische Stabilität und Widerstandsfähigkeit gegen Niedergeschlagenheit oder
Verzweiflung, wenn etwas schief läuft. Sie macht den Unterschied aus zwischen
Managern, die ihre Fähigkeiten unter- oder überschätzen und solchen, die ihre
Stärken kennen und einsetzen können, aber auch um ihre Schwächen wissen und
sie auszugleichen verstehen.
Naturalistische Intelligenz
oder die Fähigkeit, mit seiner natürlichen Umgebung in Beziehung zu treten und
von ihr zu profitieren, mag als Luxus erscheinen. In einer Zeit jedoch, in der
immer mehr Unternehmen umweltschonender produzieren, weil ihre Kunden
ökologisch verträgliche Produkte verlangen und die Umweltschutzgesetze
zusehends verschärft werden, müssen gerade Manager diese Intelligenz
kontinuierlich weiter entwickeln und ausbauen.
Philosophisch-ethische Intelligenz ist weit mehr als Nabelschau. Durch sie können Manager ihre langfristigen und kurzfristigen Ziele mit Kollegen und dem Gesamtunternehmen abstimmen. Mit dieser Intelligenz werden Visionen entworfen, Planungen erstellt und Prozesse beurteilt und zwar nach Kriterien, die über das unmittelbar notwendige Maß hinaus gehen.
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