Leseprobe aus
Nicholas Lowe & Polly Sellar
Unsere Haut



Linien füllen und Falten glätten

Mit zunehmendem Alter wird unsere Dermis schlaffer, die vollen Lippen unserer Jugend schmaler, und aus Mimikfältchen werden tiefe Furchen. Diese altersbedingten Veränderungen lassen sich am schnellsten und einfachsten durch Auffüllen und Unterlegen beheben. Die Behandlung ist kurz, so gut wie schmerzlos und das Ergebnis erfreulicherweise sofort sichtbar. 

Blinzeln und Lächeln, Stirnrunzeln und Gesichtverziehen, alles ermöglichen Ihnen Ihre Gesichtsmuskeln, aber mit den Jahrzehnten fordern sie ihren Tribut von der geschwächten (und vielleicht UV-geschädigten) Dermis, und die Fältchen, die früher rasch verflogen, graben sich nun dauerhaft ins Gesicht. Als Lachfältchen sind leichte Krähenfüße zwar ganz reizvoll, es gibt aber durchaus weniger schmeichelhafte Mimikfalten oder andere sichtbare Spuren unserer Vergangenheit. Die „Pockennarben“ einer schweren Akne zum Beispiel können einen sonst gesunden Teint ruinieren, und schmaler werdende Lippen lassen auch ein relativ faltenfreies Gesicht unnötig älter wirken. Ähnlich kann eine hartnäckige Zornesfalte auch die fröhlichste Mimik verderben, und mit Marionettenfalten (von den Mundwinkeln zum Kinn) sehen selbst Menschen, die gerne älter werden, verdrießlich aus.

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Unterfüllungen

Das Prinzip des Auffüllens von Linien und Falten durch Unterspritzen bestimmter Substanzen existiert schon seit dreißig Jahren. Wie bei vielen kosmetischen Verfahren stand auch hier die Rekonstruktionsarbeit der plastischen Chirurgen Pate, und auch die neuesten Füllstoffe orientieren sich noch daran. Man unterscheidet temporäres und permanentes Auffüllen. Meist wird den Patienten beim ersten Mal zu einer eher kosmetischen Maßnahme geraten, denn Füllstoffe wie Collagen und Hyaluronsäuregels sind nicht dauerhaft (ja, ihre befristete Wirksamkeit erhöht sogar ihre Unbedenklichkeit). Wer Aufwand oder Kosten solcher Verfahren scheut oder sie schon zu oft hat vornehmen lassen und nach etwas Dauerhaftem sucht, dem bieten sich heute gut verträgliche, reversible und höchst effektive permanente Möglichkeiten.

Temporäre Unterfüllungen

Collagen

Collagen ist der bekannteste Füllstoff, vor allem, weil es ihn schon so lange gibt und viele Menschen erfolgreich damit behandelt werden konnten. 

Anfang der 70er Jahre suchten Biochemiker und Ärzte an der Stanford University in Kalifornien für die plastische Chirurgie nach Alternativen zu Hauttransplantaten. Dabei kamen sie auf die Idee, tierisches Collagen zu reinigen und gegen das erstaunlich ähnliche menschliche auszutauschen. 1976 wurde einem Patienten zum ersten Mal gereinigtes Rindercollagen  eingesetzt. Wird dieses Collagen unter Hauteinziehungen oder Narben gespritzt, füllt es die Lücken auf. 

Einsatz Bei Collagen unterscheidet man die zweiVarianten: Zyderm und Zyplast. Ersteres ist leichter und eignet sich besser für feine Fältchen wie etwa in der Augenumgebung. Das dichtere Zyplast hingegen ist der ideale Füllstoff für tiefere Falten wie etwa um Mund und Nasolabialfalte oder für tiefe Aknenarben. 

Verfahren Collagen hat ein Allergierisiko von 3 bis 4 Prozent. Wer zu den Betroffenen gehört muss von einer Collagen-Injektion Abstand nehmen. Um eine mögliche Allergie festzustellen, werden die Patienten zwei Monate vor der eigentlichen Behandlung zwei Allergietests unterzogen. Dabei spritzt man winzige Collagenmengen an der Innenseite des Unterarms in die Haut. Außerdem wird der Arzt bei der Anamnese auf Ereignisse achten, die eine Collagen-Behandlung ausschließen. 

Eine Stunde vor dem Eingriff wird der Patientin in der dermatologischen Praxis ein anästhesierendes Gel oder eine Creme aufgetragen. Zu diesem Zeitpunkt haben Patienten und Arzt die genauen Wünsche bereits besprochen. Sind Patientin oder behandelnder Arzt unsicher, welche der geplanten Unterfüllungen überhaupt notwendig sind, werden die betroffenen Stellen sehr vorsichtig behandelt – Nachbesserungen sind jederzeit möglich. 

Die eingesetzte Nadel ist sehr fein, und die Spritze enthält zusätzlich ein Lokalanästhetikum. Den Einstich spürt man also ein wenig, das Einbringen des Collagens dagegen kaum. Es wird in die oberen Dermisschichten injiziert, wo sich auch das körpereigene Collagen befindet. Die Behandlung dauert 10-30 Minuten. 

Nachwirkungen Ausgelöst durch das Lokalanästhetikum oder aufgrund einer Überreaktion kann eine leichte Schwellung auftreten – ein Teil des im Produkt enthaltenen Wassers wird innerhalb weniger Tage absorbiert. Bei entsprechender Disposition bilden sich auch leichte Blutergüsse. 

Risiken Eine Allergie auf Collagen kann sich auch spontan entwickeln. So zeigte eine meiner Patientinnen, die in den vergangenen sechs Jahren vier Mal ohne Probleme Collagenspritzen erhalten hatte, plötzlich eine allergische Reaktion. 

Wenig zufriedenstellend wird das Ergebnis, wenn das Collagen zu tief in die Dermis oder gar in die Subkutis gespritzt wird – es verschwindet dann sehr schnell. Wer einmal unter Herpes litt, bei dem kann die Injektion einen erneuten Ausbruch hervorrufen. Wahrscheinlich wird der Arzt bei der Anamnese danach fragen, am besten aber erwähnt es die Patientin selbst, damit präventiv ein Anti-Virus-Präparat gegeben werden kann. 

In sehr selten Fällen kann sich an der Einspritzstelle ein wenig Schorf bilden oder die Haut lösen. Noch seltener entstehen kleine Geschwüre. In allen drei Fällen bleiben Narben zurück. 

Haltbarkeit: In einem Gesicht mit vielen altersbedingten Hautveränderungen und bereits sehr schwacher Dermis hält das Collagen nur zwei bis drei Monate. Das gilt auch für stark beanspruchte Stellen – etwa die Oberlippe bei Raucherinnen. In jüngerer Haut und an Stellen, die nicht stark bewegt werden – bei Narben auf den Wangen zum Beispiel – kann Collagen bis zu 18 Monate halten. 

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Botox  

-- Den Abschnitt über Botox habe ich bis zur Klärung einer juristischen Unklarheit vorübergehend aus dieser Seite herausgenommen. 
Aus gegebenem Anlass möchte hier noch einmal ausdrücklich betonen, dass es sich bei dieser Seite um eine Leseprobe, also einen Ausschnitt aus einer Übersetzung von mir handelt, deren Inhalte mit meiner persönlichen Meinung nicht im Einklang stehen müssen.
Astrid Ogbeiwi --

Permanente Unterfüllungen

Softform  
Zahlreiche Patientinnen sind von der kurzen Haltbarkeit von Collagen enttäuscht, mussten verärgert beobachten, wie Ihr Hyaluronsäuregel absorbiert wurde oder sind es einfach leid, viel Zeit und Geld in regelmäßige Nachbesserungen zu investieren und denken über eine dauerhafte Lösung nach. Manche möchte vielleicht auch gleich beim ersten Mal eine permanente Unterfüllung ausprobieren. Hier bietet sich Softform an, eine neue Behandlungsmethode für tiefere Falten und Lippenkorrekturen. Es wird nicht gespritzt, sondern chirurgisch implantiert, erfordert dadurch aber einen nur wenige Millimeter langen Einschnitt an jedem Ende der zu behandelnden Falte oder Lippe. 

Softform ist im Grunde ein wenig durchlässigen (poröses) Goretex, durch das Hautgewebe nicht hindurchwächst. Das bedeutet, dass das Implantat später leicht entfernt werden kann. 

Weil das Implantat jedoch röhrenförmig ist, wächst neues Eigengewebe hinein und verankert es so an seinem Platz. Inzwischen zeigt sich, dass dieses neue Gewebe auch erhalten bleibt, wenn das Implantat entfernt wird, nach der Behandlung also mehr hauteigenes Gewebe vorhanden ist. 

Einsatz Nasolabiale Lach-, Marionetten- und Zornesfalten sowie Korrekturen an Ober- und Unterlippe. Softform eignet sich auch zur Prävention von Kräuselfalten an der Oberlippe, da es übermäßiges Lippenkräuseln verhindert. 

Verfahren Nach eventueller Gabe eines Beruhigungsmittels erhält die Patientin eine Lokalanästhesie wie eine Ringblockade, die alle Nerven in der Umgebung völlig ausschaltet. Der Arzt markiert die Einschnittstellen. Der Trokar (chirurgische Kanüle mit Skalpellspitze) mit dem Implantat wird eingeführt und bis zum anderen Ende durchgestoßen. Beim Zurückziehen des Trokars bleibt das Implantat an Ort und Stelle. Die Enden des Implantats werden spitz zugeschnitten und nach innen geschoben, die Einschnitte geschlossen und vernäht. 

Nachwirkungen Durch die Anästhesie ist der Eingriff kaum schmerzhaft. Er verursacht aber leichte Schwellungen. Das Ergebnis ist sofort sichtbar. 

Risiken Wie bei allen chirurgischen Eingriffen besteht ein Infektionsrisiko, das sich durch peinliche Hygiene an der betroffenen Stelle und antibiotische/antiseptische Medikamente minimieren lässt. Bei den meisten Patientinnen bleiben unauffällige Narben, die bei einer Lippenkorrektur in den Lippenkonturen versteckt werden können. Aber zuweilen entstehen größere Narben. Wer zu hypertropher oder keloider Narbenbildung (Wulstnarben) neigt, sollte von einer Softform-Implantation Abstand nehmen. Das Implantat kann sich verschieben, wenn das neue Gewebe nicht schnell genug damit verwächst. Das ist umso wahrscheinlicher, je älter oder UV-geschädigter die Haut ist, weil ihre Reparaturfähigkeit geschwächt und das Wachstum verzögert ist. 

Für permanente Unterfüllungen stehen noch die folgenden Materialien zur Verfügung, die jedoch alle mit Nachteilen behaftet und daher nicht zu empfehlen sind.

Artecoll Eine Mischung aus Collagen und einer Acrylbindemasse, die in der dentalen und wiederherstellenden Chirurgie verwendet wird. Es ist in der Haut hart tastbar. Selbst operativ lässt es sich kaum noch entfernen. 

Goretex Sehr fest, aber porös. Das Hautgewebe verwächst mit der Goretexmatrix, die sich dann kaum noch entfernen lässt. Zugleich besteht hohes Infektions- und Abstoßungsrisiko, das die Entfernung erfordern kann. Genau aus diesem Grund seit 1998 in den USA verboten. 

Gold In jüngster Zeit kam es vor allem in Europa in Mode, Goldfilamente einsetzen zu lassen. Wissenschaftliche Daten unterstützen dies aber nicht. Gold ist unter der Haut unnatürlich hart tastbar. Zudem besteht das Risiko einer allergischen Reaktion, die zur Entfernung zwingen könnte. Die Extraktion dieser feinsten Fäden ist jedoch nicht einfach. 

Silikon

Mit Silikon korrigieren Ärzte schon seit über 30 Jahren Nasolabialfalten und Narben. In den USA ist es dafür jedoch nicht zugelassen. Zwar gibt es keine stichhaltigen Beweise dafür, dass Silikon das Immunsystem schädigt, aber allein die Zahl der anhängigen Gerichtsverfahren führte in den USA zum Verbot. 

Silikon wurde tropfenweise injiziert, weil man glaubte, um diese Fremdkörperkügelchen würde sich so viel Collagen und Bindegewebe bilden, dass sie an Ort und Stelle bleiben. Es zeigte sich jedoch, dass Silikon wandern– besonders an Stellen mit feiner Haut – oder Allergien auslösen kann. Zwar schrieb man früher viele Allergien einer schlechten Produktqualität zu, dennoch können auch heute noch Spätfolgen eintreten, zuweilen erst viele Jahre nach der Injektion. Jede Reaktion – darunter Rötung und entstellende Klumpenbildung – erfordert die Entfernung. Aber Silikon lässt sich kaum ohne Schädigung des umliegenden Gewebes entfernen. Oft ist zur Behandlung der Entzündung eine langfristige Cortisontherapie nötig. Umgekehrt ist es auch möglich, dass der Körper die Substanz ablehnt und die winzigen Kügelchen über die Hautoberfläche abstößt.

 

Könemann Verlag


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